DermaVet Journal Club: September 2026

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Zusammenfassung. Die Literaturübersicht vom September 2026 betrifft vor allem die canine atopische Dermatitis, die Parasitosen der Katze, Hautinfektionen und den Mastzelltumor. Die überarbeiteten Empfehlungen des ICADA teilen die Behandlung der atopischen Dermatitis in zwei Phasen: eine reaktive Phase, in der Glukokortikoide wegen ihres raschen Wirkungseintritts empfohlen werden, und anschließend eine proaktive Phase, die die Remission erhält. Eine placebokontrollierte Studie zeigt, dass Atinvicitinib, ein Januskinase-Inhibitor, bei einmal täglicher Gabe ohne Induktionsphase wirksam ist. Bei Oclacitinib hat eine Verkürzung der Induktion von vierzehn auf sechs Tage das Ergebnis nicht signifikant verändert. Bei der Katze berichtet eine Pilotstudie, dass eine einzige topische Anwendung von Esafoxolaner, Eprinomectin und Praziquantel Lynxacarus radovskyi beseitigt hat. Selamectin in Kombination mit Sarolaner eliminiert seinerseits Notoedres cati innerhalb von 30 Tagen. Bei einer Hautinfektion wird der Erreger vor der Behandlung bis zur Spezies bestimmt, denn polymikrobielle Infektionen rezidivieren häufiger und ihre Isolate sind tendenziell gegen mehr Antibiotika resistent. Methicillinresistente Staphylokokken zirkulieren zudem dauerhaft zwischen dem Hund und seiner Familie. Diese Bestimmung ist umso wichtiger, als feline Histoplasmose und Protothekose außerhalb ihrer üblichen Verbreitungsgebiete beschrieben werden und autochthone Fälle von caniner Pythiose aus Italien gemeldet sind. Schließlich hilft die Dichte in der dreiphasigen Computertomographie, kleine Mastzelltumoren von gutartigen Läsionen zu unterscheiden.

Die Literaturübersicht vom September 2026 umfasst 35 Artikel zur Haut von Hund und Katze oder zu Arbeiten, die die Dermatologie über Mikrobiologie, Parasitologie, Onkologie und Endokrinologie berühren. Die canine atopische Dermatitis dominiert den Monat: Das ICADA veröffentlicht überarbeitete Behandlungsempfehlungen, und zwei Studien präzisieren den Einsatz von Januskinase-Inhibitoren. Infektionen bilden den zweiten Schwerpunkt, mit resistenten Staphylokokken, die vom Hund auf den Menschen übergehen, und seltenen Erregern, die molekularbiologisch identifiziert wurden, teils weit außerhalb ihrer üblichen Verbreitungsgebiete. Die Onkologie liefert diagnostische und prognostische Werkzeuge für den Mastzelltumor. Bei der Katze werden zwei antiparasitäre Kombinationen bewertet. Die Artikel sind in sieben Kategorien eingeteilt. Jeder wird mit Studiendesign, Ergebnissen und seiner Bedeutung für die Praxis vorgestellt.

1 Canine atopische Dermatitis

1.1 Empfehlungen und Praxis

Das Internationale Komitee für allergische Erkrankungen der Tiere (ICADA) hat seine Behandlungsempfehlungen für die canine atopische Dermatitis überarbeitet. Sie ordnen die Behandlung nun nach Wirkmechanismus und teilen sie in zwei Phasen: eine reaktive Phase, die bestehenden Juckreiz und vorhandene Läsionen beseitigt, und anschließend eine proaktive Phase, die die Remission erhält und Schübe seltener macht. Sie stützen sich, soweit vorhanden, auf randomisierte Studien und systematische Übersichtsarbeiten. Das Evidenzniveau wird nach der SORT-Skala (Strength of Recommendation Taxonomy) bewertet. Für die reaktive Phase werden schnell wirkende Substanzen mit breitem Wirkspektrum empfohlen, insbesondere Glukokortikoide. Januskinase-Inhibitoren und Lokivetmab können je nach Läsionstyp, Schweregrad und Komplexität der Entzündung wirksam sein. Sekundärinfektionen und schubauslösende Faktoren müssen behandelt werden. Für die proaktive Phase richtet sich die Wahl nach dem Krankheitsprofil und dem Ansprechen des Hundes. Zu den Optionen gehören die Pflege der Hautbarriere, die Kontrolle von Infektionen, die Allergenvermeidung, die allergenspezifische Immuntherapie, topische Glukokortikoide, Ciclosporin, Tacrolimus, Lokivetmab oder Januskinase-Inhibitoren. Keine dieser Maßnahmen ist bei jedem Hund erforderlich, keine ist gegen eine andere austauschbar, und keine ist in jedem Fall wirksam. Die Wahl berücksichtigt daher Wirksamkeit, Sicherheit, Praktikabilität, Kosten, die Lebensqualität von Hund und Halter sowie die Vorschriften des jeweiligen Landes (Mueller et al., 2026).

Mueller RS, Banovic F, Bensignor E, Santoro D, Nuttall T. Treatment of Canine Atopic Dermatitis: Updated Guidelines From the International Committee on Allergic Diseases of Animals (ICADA). Vet Dermatol. 2026 Sep 28. Epub ahead of print. https://doi.org/10.1111/vde.70128

Vom 15. Juli bis zum 15. August 2025 wurde eine Online-Umfrage unter nordamerikanischen Tierärzten durchgeführt. Von 718 berücksichtigten Teilnehmern schätzten 57 %, dass mindestens ein Viertel ihrer Kunden erhebliche finanzielle Einschränkungen hatte, und 28 %, dass dies für mindestens die Hälfte galt. Die meisten Teilnehmer richteten ihre Empfehlungen immer oder häufig nach der finanziellen Situation des Kunden aus. Die Hautzytologie und danach das Hautgeschabsel galten unabhängig von finanziellen Einschränkungen als wichtigste Untersuchungen. Bei knappem Budget wurde Cefalexin für die methicillinsensible Pyodermie bevorzugt. Die meisten Teilnehmer kannten die Empfehlung, die methicillinresistente oberflächliche Pyodermie allein topisch antiseptisch zu behandeln. Eine Mehrheit empfahl zudem bei Verdacht auf Resistenz vor jeder Antibiotikagabe eine aerobe bakteriologische Kultur. Finanzielle Einschränkungen verändern die Empfehlungen also nicht immer, doch weichen diese Empfehlungen teils von den Konsensusleitlinien ab. Die Antworten beruhen auf Selbstauskünften, erhoben über direkte Fragen oder fiktive Fälle (Gentry et al., 2026).

Gentry CM, Rey L, Rishniw M, Tater K, Teller L. Multiple factors, including client financial constraints, play a role in clinician decisions for canine atopic dermatitis: spectrum of care in a chronic and relapsing disease. J Am Vet Med Assoc. 2026;264(9):1-9. https://doi.org/10.2460/javma.25.12.0845

1.2 Januskinase-Inhibitoren

Atinvicitinib ist ein JAK1-Inhibitor der zweiten Generation mit hoher Selektivität beim Hund. Seine Wirksamkeit wurde in einer multizentrischen, randomisierten, verblindeten und placebokontrollierten Studie an 61 Hunden aus Privathaltung mit atopischer Dermatitis untersucht, die mindestens 12 Monate alt waren und mindestens 2 kg wogen. Mit der Mahlzeit erhielten 21 Hunde 0,8 bis 1,2 mg/kg einmal täglich über 28 Tage. Weitere 21 erhielten 0,4 bis 0,6 mg/kg zweimal täglich über 14 Tage und danach einmal täglich über 14 Tage. Die übrigen 19 erhielten ein Placebo. Als Erfolg galt eine Senkung des Juckreiz-Scores oder des Läsions-Scores CADESI-04 um mindestens 50 % an Tag 28. Er wurde bei 87,5 % der einmal täglich behandelten Hunde und bei 73,3 % der Hunde mit dem zweistufigen Schema erreicht, gegenüber 23,1 % unter Placebo. Beide Unterschiede waren signifikant. Der Juckreiz sank in beiden Behandlungsgruppen signifikant stärker als unter Placebo. Der Läsions-Score sank in der Gruppe mit einmal täglicher Gabe signifikant stärker als unter Placebo. Die mittleren Laborwerte blieben innerhalb der Referenzintervalle, und die Behandlung wurde gut vertragen. Die Autoren folgern daher, dass eine einzige tägliche Gabe sicher und wirksam ist (Jirjis et al., 2026).

Jirjis F, Kowalski TJ, Lynn RC, Overbey L, Cao Q, Stock M, et al. Efficacy and Field Safety of the Second-Generation, Highly Selective JAK1 Inhibitor Atinvicitinib for the Treatment of Canine Atopic Dermatitis: A Multicentre, Blinded, Randomised, Placebo-Controlled Clinical Trial in Client-Owned Dogs. Vet Dermatol. 2026 Sep 17. Epub ahead of print. https://doi.org/10.1111/vde.70106

Bei Oclacitinib lässt der Übergang zur einmal täglichen Gabe nach der Induktion den Juckreiz manchmal wieder ansteigen. Ein Münchner Team hat daher zwei Schemata bei 45 Hunden mit atopischer Dermatitis verglichen, die randomisiert zwei Gruppen zugeteilt wurden. Das übliche Schema sah 0,4 bis 0,6 mg/kg zweimal täglich über 14 Tage und danach einmal täglich über 7 Tage vor. Die verkürzte Induktion sah die zweimal tägliche Gabe über 6 Tage und danach die einmal tägliche Gabe über 15 Tage vor. Die Daten von 40 Hunden waren auswertbar. Mit dem üblichen Schema sank der mittlere Läsions-Score CADLI von 13,4 auf 8, eine nicht signifikante Abnahme. Mit der verkürzten Induktion sank er von 12,9 auf 6,9, und diese Abnahme war signifikant. Der mittlere Juckreiz sank in beiden Gruppen signifikant, von 6,4 auf 2,1 mit dem üblichen Schema und von 5,7 auf 1,9 mit der verkürzten Induktion. Zwischen den Gruppen zeigte sich kein Unterschied. Ein erneuter Anstieg des Juckreizes nach der Dosisreduktion betraf nur zwei Hunde mit dem üblichen Schema und einen Hund mit der verkürzten Induktion (Popp et al., 2026).

Popp PJC, Mueller RS, Widorn L, Udraite-Vovk L, Mueller U, Weitzer T. Evaluation of Two Induction Protocols for Oclacitinib in Dogs. Vet Dermatol. 2026 Sep 20. Epub ahead of print. https://doi.org/10.1111/vde.70127

1.3 Systemische Entzündung und Fettsäuren

Beim Menschen wird die mittelschwere bis schwere atopische Dermatitis zunehmend als systemische Entzündungskrankheit betrachtet. Um dies beim Hund zu prüfen, wurden sechs Serumzytokine gemessen: TNF-α, TNF-β bzw. Lymphotoxin-α, IL-1β, IL-6, IL-12 und IL-1-Rezeptorantagonist. Die 40 Hunde aus Privathaltung waren auf vier Gruppen zu je 10 verteilt: gesunde Hunde, leichte atopische Dermatitis, mittelschwere bis schwere atopische Dermatitis sowie aktiver Pemphigus foliaceus als Positivkontrolle. Die interindividuelle Variabilität war hoch, und keines der sechs Zytokine unterschied sich signifikant zwischen den Gruppen. Dieses Ergebnis kann ein tatsächliches Fehlen einer systemischen Entzündung beim atopischen Hund widerspiegeln, aber auch die kleine Fallzahl, die Variabilität oder den geringen Umfang des Panels (Herrmann et al., 2026).

Herrmann I, Mamo LB, Bizikova P. Systemic Inflammation in Dogs With Atopic Dermatitis Compared to Healthy Dogs and Dogs With Pemphigus Foliaceus: A Study Using a Limited Cytokine Panel. Vet Dermatol. 2026 Sep 3. Epub ahead of print. https://doi.org/10.1111/vde.70118

Eine kurze ungarische Übersichtsarbeit schlägt den Omega-3-Index vor, um die Versorgung des Hundes mit diesen Fettsäuren zu überwachen. Dieser Index ist die Summe aus Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) in den Membranen der roten Blutkörperchen, ausgedrückt in Prozent der gesamten Fettsäuren der Erythrozyten. Er lässt sich an einem getrockneten Blutstropfen messen. Er spiegelt die langfristige Aufnahme wider, da die Zusammensetzung der roten Blutkörperchen bei kurzfristigen Futterumstellungen weniger schwankt als das Plasma. Der gesunde Hund hat einen niedrigen Ausgangsindex. Eine Supplementierung mit marinen Omega-3-Fettsäuren erhöht ihn zuverlässig. In der Dermatologie sind die erythrozytären Daten jedoch sehr begrenzt. Es gibt noch weder speziesspezifische Referenzintervalle noch Zielwerte, die mit dem klinischen Verlauf verknüpft sind (Tóth et al., 2026).

Tóth ZT, Tarpataki N, Mátis G, Fébel H. Dried blood spot-based omega-3 fatty acid status assessment in dogs: The Omega-3 Index concept and its dermatological perspective – Short communication. Acta Vet Hung. 2026;74(3):242-246. https://doi.org/10.1556/004.2026.01307

2 Nicht entzündliche Alopezien, Pigmentierung und Cortisol

2.1 Rezidivierende Flankenalopezie

Die rezidivierende Flankenalopezie ist eine saisonale Erkrankung des Hundes mit ausgeprägter Rassedisposition. Laut einer niederländischen narrativen Übersichtsarbeit treten Alopezieherde auf, wenn die Tageslänge abnimmt, im Herbst oder im Winter. Sie liegen gewöhnlich an den thorakolumbalen Flanken. Diese Herde sind symmetrisch, scharf begrenzt, nicht entzündlich und oft hyperpigmentiert. Das Haar wächst anschließend im folgenden Frühjahr oder Sommer teilweise oder vollständig nach. Die Erkrankung hat keine Auswirkungen auf das Allgemeinbefinden. Die Diagnose beruht auf Signalement, klinischem Bild, Ausschluss der Differentialdiagnosen und Histopathologie, die je nach Stadium variiert und hinweisend, aber nicht pathognomonisch ist. Der Mechanismus scheint multifaktoriell zu sein und Photoperiode, neurohormonelle Einflüsse und Genetik zu verbinden. Die Behandlung reicht vom beobachtenden Abwarten bis zu Melatonin. Neue Optionen wie die Low-Level-Lasertherapie kommen auf, doch die Evidenz aus placebokontrollierten Studien bleibt begrenzt (Verschuuren-Tjoeng et al., 2026a).

Verschuuren-Tjoeng MUMY, Schlotter YM, van Geijlswijk IM, Gehring R, van Steenbeek FG. Canine flank alopecia: A narrative review of clinical presentation, genetic basis, and therapeutic management. Vet J. 2026a;320:106877. https://doi.org/10.1016/j.tvjl.2026.106877

Dasselbe Team suchte beim Rhodesian Ridgeback nach den beteiligten Genen. Bei 48 Hunden, 24 erkrankten und 24 Kontrollen, wurde eine Ganzgenomsequenzierung mit niedriger Abdeckung durchgeführt und durch Imputation ergänzt. Es folgten genomweite Assoziationsstudien und die Analyse kodierender Varianten. Varianten mit vorhergesagter funktioneller Wirkung fanden sich in mehreren Genen, darunter EPB41L1 und DPY19L1. Sie sind am Zytoskelett, an der Zelladhäsion, an der Nervensignalübertragung und an den Signalwegen des Haarzyklus (Wnt, BMP, MAPK, Notch und Hedgehog) beteiligt. Die Flankenalopezie wäre demnach eine genetisch heterogene Erkrankung unter dem Einfluss mehrerer Loci und keine einfache monogene Erkrankung. Diese Gene bleiben Kandidaten, die durch funktionelle Studien bestätigt werden müssen (Verschuuren-Tjoeng et al., 2026b).

Verschuuren-Tjoeng MUMY, Vree L, Rozendom C, Schlotter Y, Gehring R, van Steenbeek FG. Genetic insights into canine flank alopecia in Rhodesian ridgebacks: identifying candidate genes. Vet Anim Sci. 2026b;33:100670. https://doi.org/10.1016/j.vas.2026.100670

2.2 Strahleninduzierte Alopezie

Bei Hunden, die wegen eines Nasentumors bestrahlt werden, beeinflusst der Felltyp das Risiko des Haarausfalls. Eine japanische retrospektive Studie wertete die Akten von 38 strahlentherapeutisch behandelten Hunden aus. Hunde, die ihr Haar erst nach Behandlungsende verloren hatten, wurden ausgeschlossen. Eine akute Alopezie trat während der Bestrahlung bei 17 der 34 ausgewerteten Hunde auf. Der Felltyp war signifikant damit assoziiert: Alle Hunde mit lockigem oder rauhaarigem Fell waren betroffen. Bei ihnen trat die Alopezie zudem früher auf als bei glatthaarigen Hunden, im Median nach 14 gegenüber 20 Tagen, und der Unterschied war signifikant. Bei den betroffenen Hunden verloren die Bereiche mit der höchsten Hautdosis ihr Haar zuerst, danach die weniger bestrahlten Bereiche. Der Halter kann so über das Risiko und den Zeitpunkt der Alopezie aufgeklärt werden (Nemoto et al., 2026).

Nemoto Y, Aoki K, Yoshida A, Ueno H, Nakaichi M. Radiation-Induced Alopecia in Dogs With Nasal Tumours: Coat Type Influences Development and Onset. Vet Dermatol. 2026 Sep 10. Epub ahead of print. https://doi.org/10.1111/vde.70126

2.3 Feline Hyperpigmentierung und basales Cortisol

Eine klinische Übersicht behandelt die kutane Hyperpigmentierung der Katze. Ihr Datensatz enthält keine Zusammenfassung. Ihr Inhalt wird daher hier nicht analysiert (Bajwa, 2026).

Bajwa J. Cutaneous hyperpigmentation in cats. Can Vet J. 2026;67(9):1025-1028. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC13544534/

Beim Hund ist ein niedriges basales Cortisol nach Glukokortikoidexposition häufiger, was das Screening auf Hypoadrenokortizismus erschwert. Eine retrospektive Studie wertete 982 hospitalisierte Hunde aus, bei denen ein ACTH-Stimulationstest durchgeführt worden war, davon 55 mit Hypoadrenokortizismus und 927 ohne. Ein basales Cortisol von höchstens 2,0 µg/dl war bei den 198 glukokortikoidexponierten Hunden (46,0 %) signifikant häufiger als bei den 729 nicht exponierten Hunden (31,0 %). Bei diesem Grenzwert betrug die Sensitivität des basalen Cortisols 98,2 % und seine Spezifität nur 65,8 %. Eine Anhebung des Grenzwerts auf 2,4, 2,7 oder 3,1 µg/dl verbessert die Sensitivität auf Kosten der Spezifität. Eine falsch positive flache Kurve im Stimulationstest wurde nur bei 11 Hunden (1,2 %) beobachtet. Der Stimulationstest schließt den Hypoadrenokortizismus daher bei den meisten Hunden aus. Er liefert zudem eine prognostische Information (Da Silva et al., 2026).

Da Silva AJ, Barton SA, Shiel RE, Mooney CT. Evaluation of basal cortisol and the adrenocorticotropic hormone stimulation test in 982 dogs undergoing investigation for hypoadrenocorticism. J Vet Intern Med. 2026;40(5):aalag188. https://doi.org/10.1093/jvimsj/aalag188

3 Bakterielle und mykobakterielle Infektionen

3.1 Staphylokokken

In Indien wurden von Juni bis Dezember 2024 71 PCR-bestätigte Fälle von Staphylokokken-Pyodermie analysiert. Die Isolate wurden mittels MALDI-TOF-Massenspektrometrie identifiziert und anschließend auf ihre Antibiotikaempfindlichkeit getestet. Die Infektion war in 63,38 % der Fälle monomikrobiell und in 36,62 % polymikrobiell. Staphylococcus pseudintermedius und Staphylococcus aureus dominierten in beiden Formen, allein oder zusammen mit Escherichia coli, Pseudomonas aeruginosa oder Klebsiella pneumoniae. Die polymikrobielle Infektion war signifikant mit Rezidiven, einem längeren Verlauf, Gewebeinvasion und allergischen Hautmanifestationen assoziiert. Beide Staphylokokken zeigten eine hohe Resistenz gegen β-Laktame und Cephalosporine der dritten Generation. Die Gesamtresistenz unterschied sich nicht signifikant zwischen mono- und polymikrobiellen Infektionen, doch die Isolate polymikrobieller Infektionen waren tendenziell resistenter, und zwar in mehreren Antibiotikaklassen. Die Identifizierung bis zur Spezies und eine kulturgestützte Behandlung sind daher vorzuziehen (Sanwal et al., 2026).

Sanwal D, Kachhawa JP, Gurjar M, Singathia R, Gupta SR, Kumar R. Antimicrobial resistance and epidemiological determinants of single and polymicrobial staphylococcal infections in canine pyoderma. Acta Vet Hung. 2026;74(3):205-212. https://doi.org/10.1556/004.2026.01273

In Neapel wurden vor einer Operation bei 100 Hunden Nasentupfer entnommen. Sie lieferten 65 Staphylokokkenstämme, die mittels MALDI-TOF identifiziert wurden: S. pseudintermedius war die häufigste Spezies (40 %), vor S. aureus (15,4 %) und S. epidermidis (7,7 %). Die Resistenz war hoch: 61,5 % der Stämme waren multiresistent und 4,6 % extensiv resistent. Alle getesteten Stämme bildeten einen Biofilm, die meisten davon in mäßigem Ausmaß (56,9 %), was ihre Persistenz begünstigen könnte. Ein präoperatives nasales Screening wird daher bei Hochrisikopatienten vorgeschlagen, um die antibiotische Prophylaxe anzupassen (Nocera et al., 2026).

Nocera FP, Schena R, Romano A, Cavalli S, Cortese L, Fatone G, et al. Nasal Colonization of Antimicrobial-Resistant and Biofilm-Producing Staphylococcus spp. in Surgical Canine Patients From Italy. Vet Med Sci. 2026;12(5):e71235. https://doi.org/10.1002/vms3.71235

In Brasilien wurde die Zirkulation eines methicillinresistenten S. pseudintermedius (MRSP) in einem Haushalt verfolgt, ausgehend von einer postoperativen Osteomyelitis des Familienhundes. Während der Infektion, im Jahr 2021, wurde die Linie ST71-SCCmec II-III bei dem operierten Hund, bei vier Familienmitgliedern und beim Chirurgen nachgewiesen, also bei 6 von 8 besiedelten Individuen. Der zweite Hund des Haushalts trug damals einen methicillinresistenten S. epidermidis. Zwei Jahre später wurde MRSP von diesem zweiten Hund und von zwei Haltern getragen, also von 3 von 7 Individuen. Die Linie ST71 besiedelte die Haut des Hundes, eine neu auftretende Linie, ST1095-CC551-SCCmec V, seine Nasenlöcher und die beiden Halter. Innerhalb jeder Linie unterschieden sich die Stämme um höchstens 8 Punktmutationen, was auf eine kürzliche Übertragung hinweist. MRSP zirkuliert also dauerhaft zwischen Hunden und Menschen desselben Haushalts. Eine Linie kann zudem eine andere ersetzen. Das multiresistente Isolat blieb gegenüber Amikacin empfindlich. Der operierte Hund heilte nach einer verlängerten Behandlung mit diesem Wirkstoff und einer Revisionsoperation aus (de Menezes et al., 2026).

de Menezes MP, Pirolo M, Pereira N, Stegger M, Paglione MP, Guardabassi L, et al. Intra-house circulation and persistence of methicillin-resistant Staphylococcus pseudintermedius in Brazil: Evidence of transmission between a dog and its family. Vet Microbiol. 2026;320:111141. https://doi.org/10.1016/j.vetmic.2026.111141

Staphylococcus schleiferi verursacht beim Hund Haut- und Ohrinfektionen, wird beim Menschen aber selten als Krankheitserreger beschrieben. Dieser Staphylokokkus bildet keine Koagulase. Er wird daher leicht mit anderen Spezies verwechselt oder für eine Kontamination gehalten. Berichtet wird ein Fall einer akuten Gelenkprotheseninfektion bei einem Patienten, der beruflich seit langem Kontakt zu Hunden hatte. Er wurde erfolgreich mit sechs Wochen intravenöser Antibiotikatherapie und anschließend drei Monaten suppressiver oraler Behandlung therapiert (Wells et al., 2026).

Wells L, Erickson G, Nebeluk N, Doub J. Prosthetic joint infection due to Staphylococcus schleiferi in a patient with occupational canine exposure. IDCases. 2026;46:e02752. https://doi.org/10.1016/j.idcr.2026.e02752

3.2 Mykobakterien und schwere Weichteilinfektionen

Eine 4-jährige kastrierte Kurzhaar-Hauskatze hatte seit 8 Monaten fistelnde Wunden am linken Oberschenkel und in der linken Leistengegend, die auf empirische Antibiotika nicht ansprachen. Sie hatten mit einem Katzenbiss am Oberschenkel und einer subkutanen Umfangsvermehrung in der Leiste begonnen. Die Zytologie der Umfangsvermehrung hatte an einen Spindelzelltumor denken lassen, doch die Histopathologie nach der Exzision zeigte eine schwere nekrotisierende pyogranulomatöse Mastitis und Dermatitis ohne Tumor. Aus beiden Läsionen wurde kulturell Mycobacterium farcinogenes isoliert und mittels MALDI-TOF identifiziert. Die Kombination aus Pradofloxacin, topischem Amikacin-Gel und Azithromycin führte innerhalb von 24 Wochen ohne Nebenwirkungen zu einer vollständigen Remission, obwohl in vitro eine Resistenz festgestellt worden war. Es ist der erste in Asien beschriebene Fall bei der Katze. Er zeigt, dass ein atypisches Mykobakterium bis zur Spezies identifiziert werden muss (Chuenngam et al., 2026).

Chuenngam T, Promsatit W, Khamduang C, Vilaiwan K, Kanjanasri K. Feline Cutaneous Mycobacteriosis Caused by Mycobacterium farcinogenes: The First Case Report from Asia. Animals (Basel). 2026;16(17):2734. https://doi.org/10.3390/ani16172734

Die nekrotisierende Fasziitis des Hundes kann innerhalb von ein bis zwei Tagen septisch werden. Zwei immunkompetente Hunde aus verschiedenen Haushalten wurden wegen Weichteilwunden überwiesen. Ein 5-jähriger kastrierter Golden-Retriever-Rüde zeigte eine ausgedehnte hämorrhagische Zellulitis der Vordergliedmaßen und des Halses, die sich innerhalb von 48 Stunden entwickelt hatte. Bei einer 8-jährigen kastrierten Labrador-Mischlingshündin entwickelte sich eine penetrierende Wunde an der linken Hüfte innerhalb von 24 Stunden zu einer nekrotisierenden Fasziitis. Die beteiligten Bakterien waren Acinetobacter lactucae und Bacillus paramobilis, je eine Spezies pro Hund. Die Histopathologie zeigte in beiden Fällen eine schwere akute Muskelnekrose mit nekrotisierend-eitriger Myofasziitis, Dermatitis und Pannikulitis, die stäbchenförmige Bakterien enthielten. Die Genomsequenzierung ergab zahlreiche zytolytische Toxine und weitere Virulenzgene. Diese beiden Spezies waren bisher noch nie mit einer nekrotisierenden Fasziitis beim Hund in Verbindung gebracht worden (Greenberg et al., 2026).

Greenberg JA, Groch KR, Lawhon SD, Wu J, Wheeler L, Flynn G, et al. Necrotizing fasciitis associated with Acinetobacter lactucae and Bacillus paramobilis infections in 2 dogs. J Vet Diagn Invest. 2026;38(5):1086-1091. https://doi.org/10.1177/10406387261440917

Die Melioidose, verursacht durch Burkholderia pseudomallei, ist eine schwere, potenziell tödliche Infektion von Hund und Katze. Sie kommt in den tropischen und teils subtropischen Regionen Australiens vor. Eine Serie von 45 Fällen, 24 Hunde und 21 Katzen, wurde über 27 Jahre im Northern Territory und in Queensland zusammengetragen. Die Fälle traten vor allem in der Regenzeit von Dezember bis März auf. Die häufigsten Formen waren eine primär neurologische Erkrankung oder eine lokalisierte Infektion (Wunde, Zellulitis oder Abszess). Der Hund hatte häufiger eine Beteiligung der Haut und der Unterhaut, während die Katze vielfältigere Formen zeigte. In den meisten Fällen wurde keine begünstigende Ursache wie eine Immunsuppression gefunden. Unter den 15 Tieren mit bekanntem Verlauf heilten alle 4 Hunde. Von den 11 Katzen heilten 5, und 4 wurden euthanasiert. In der gesamten Serie starben 13 Tiere an der Krankheit oder wurden deswegen euthanasiert, 7 davon mit einer neurologischen Form. Eine rasche Diagnose und eine angemessene Antibiotikatherapie ohne Verzögerung entscheiden daher über die Kontrolle der Infektion (Lee et al., 2026).

Lee K, Shilton C, Benedict S, Krockenberger M, Mayo M, Currie BJ, et al. Melioidosis in companion animals: Analysis of 45 Australian cases (24 dogs; 21 cats) from 1997 to 2025 and a brief review of the animal and human literature. Aust Vet J. 2026;104(9):563-580. https://doi.org/10.1111/avj.70097

3.3 Hautflora des Meerschweinchens

Beim Meerschweinchen verglich eine kanadische Querschnittsstudie über 4 Jahre die Hautflora von 46 Tieren: 16 gesunde, 16 mit Hauterkrankung und 14 mit einer nicht dermatologischen Erkrankung. Staphylococcus xylosus war das häufigste Bakterium, vor Aerococcus viridans. S. aureus, der in früheren Veröffentlichungen mit Hauterkrankungen des Meerschweinchens in Verbindung gebracht wurde, wurde aus keiner Läsion isoliert. Malassezia-Hefen waren zytologisch sichtbar, aber keine wuchs in der Kultur, was darauf hindeutet, dass andere Techniken zu ihrer Identifizierung nötig sind. Bei Meerschweinchen ohne Hauterkrankung wurden keine Dermatophyten gefunden (Foster et al., 2026).

Foster A, Vandenbruggen J, Ferrari MCO, Desprez I. Cutaneous populations of bacteria and yeast as determined by culture and cytology in healthy and diseased guinea pigs. Am J Vet Res. 2026 Sep 17:1-8. Epub ahead of print. https://doi.org/10.2460/ajvr.26.03.0137

4 Mykosen und verwandte Infektionen

Die feline Histoplasmose wird in Europa selten diagnostiziert, und in Nordeuropa sowie in den baltischen Staaten war sie noch nie diagnostiziert worden. Aus Lettland werden drei gehäuft aufgetretene autochthone Fälle bei Kurzhaar-Hauskatzen mit ulzerierten oder erodierten Hautläsionen berichtet. Die Zytologie zeigte in allen drei Fällen mit Histoplasma vereinbare Organismen. Die erste Katze, positiv für das feline Immundefizienzvirus und in einem Tierheim lebend, hatte multiple Ulzera. Histopathologie und Immunhistochemie bestätigten eine auf Histoplasma hinweisende Mykose, danach ging die Katze der Nachverfolgung verloren. Die zweite, ein 3-jähriger Kater mit einer einzelnen erosiven Gesichtsläsion, heilte unter antimykotischer Behandlung. Die dritte, ein 6-jähriger kastrierter Kater mit multiplen erosiven Läsionen, wurde euthanasiert. Bei ihm war der Antigennachweis von H. capsulatum in Urin und Serum positiv. Die PCR mit anschließender Sequenzierung lieferte die erste molekulare Bestätigung von Histoplasma capsulatum im Baltikum. Die Zytologie ist daher eine gute Erstuntersuchung. Serologie und Molekularbiologie ergänzen sie dort, wo etablierte mykologische Methoden schwer zugänglich sind. Die Histoplasmose könnte außerhalb der Endemiegebiete unterdiagnostiziert sein (Berzina et al., 2026).

Berzina I, Nikolajenko M, Matise-VanHoutana I, Ulanova V, Kivrāne A, Ranka R. Feline cutaneous histoplasmosis in a non-endemic region: diagnostic challenges and molecular confirmation of Histoplasma capsulatum in Latvia. Acta Vet Scand. 2026;68(1):33. https://doi.org/10.1186/s13028-026-00883-4

In Italien wurden zwischen 2021 und 2024 7 autochthone Fälle von caniner Pythiose erkannt. Alle Hunde waren mit Süßwasser in Kontakt gekommen. Die Fälle betrafen mehrere Seen in aufeinanderfolgenden Jahren. Die sequenzierten Isolate gehörten zur Klade IV des Pythium-insidiosum-Komplexes, die heute als Pythium periculosum bezeichnet wird (Peano et al., 2026).

Peano A, Min ARM, Danesi P, Albanese F, Furiani N, Monaco M, et al. Autochthonous Canine Pythiosis Linked with Freshwater Exposure, Italy, 2021-2024. Emerg Infect Dis. 2026;32(9):1526-1528. https://doi.org/10.3201/eid3209.260354

Arthroderma uncinatum, ein geophiler Dermatophyt, wurde bei einem 11 Monate alten English Setter aus Süditalien identifiziert, der zwei alopezische, erythematöse und schuppende Läsionen im Metakarpal- und Metatarsalbereich zeigte. Die mikroskopischen Untersuchungen waren nicht schlüssig gewesen, doch die Kultur isolierte den Pilz, der durch Sequenzierung der ITS-Region identifiziert wurde. Clotrimazol 1 %, drei Wochen lang lokal aufgetragen, führte zur klinischen und mykologischen Heilung (Samarelli et al., 2026).

Samarelli R, Otranto D, Miglianti M, Bezerra-Santos MA, Giusiano G. Canine dermatophytosis due to Arthroderma uncinatum: case report and diagnostic considerations. Med Mycol Case Rep. 2026;53:100812. https://doi.org/10.1016/j.mmcr.2026.100812

In Teheran wurde bei einem Shih Tzu mit Juckreiz und Schuppen ein aus einem Hautgeschabsel isolierter Pilz als Corynascus verrucosus identifiziert. Mikroskopie und Kultur erlaubten keine Bestimmung der Spezies. Die ITS-Region wurde daher amplifiziert und sequenziert. Die Sequenz war zu 99,36 % identisch mit einer Referenzsequenz von C. verrucosus. Die phylogenetische Analyse ordnete sie der Corynascus-Linie zu. Auch die großen, runden, warzigen Konidien passten dazu. Nahe verwandte Spezies weisen jedoch sehr ähnliche Sequenzen auf. Das molekulare Ergebnis ist daher mit Vorsicht zu interpretieren. Die Zusammenfassung berichtet weder über Behandlung noch über Verlauf (Ghahremani et al., 2026).

Ghahremani M, Sharifzadeh A, Ashrafi Tamai I, Faridfar G. A Rare Case of Cutaneous Infection by Corynascus verrucosus in a Shih Tzu Dog: Molecular Identification and Phylogenetic Analysis. Vet Med Sci. 2026;12(5):e71205. https://doi.org/10.1002/vms3.71205

Bei einem 2-jährigen kastrierten Chihuahua-Mischlingsrüden aus Tasmanien verursachte Prototheca wickerhamii eine lokalisierte kutane Form: Die Metakarpal- und Metatarsalballen waren geschwollen, schmerzhaft und ulzeriert, mit deutlicher Lahmheit. Die Diagnose beruhte auf Zytologie, Histopathologie, Kultur und MALDI-TOF. Itraconazol als modifizierte Pulstherapie war unwirksam. Orales Posaconazol brachte die Symptome zum Verschwinden, musste aber fortgeführt werden: Nach dem Absetzen kam es zum Rezidiv. Intraläsional injiziertes Amphotericin-B-Desoxycholat führte anschließend zu einer dauerhaften Remission, möglicherweise zu einer Heilung. Beim Hund ist die Protothekose gewöhnlich nach einer primären Kolonbeteiligung disseminiert. Ihre Heilungsprognose ist schlecht. Dieser Fall erweitert das bekannte Bild daher um eine lokalisierte kutane Form in gemäßigtem Klima (Sahebjam et al., 2026).

Sahebjam F, Courtman N, Luk K, Malik R. Successful treatment of the first reported case of Prototheca wickerhamii infection in a dog living in Tasmania, Australia. Aust Vet J. 2026;104(9):593-599. https://doi.org/10.1111/avj.70107

5 Ektoparasitosen und Otologie

In der Schweiz verursachte Onchocerca lupi bei einem Hund eine schwere einseitige Otitis externa mit Bildung einer Umfangsvermehrung. Die Diagnose wurde nach Entfernung des Nematoden molekularbiologisch bestätigt. Eine kombinierte Behandlung führte innerhalb von 6 Wochen zu einer vollständigen Remission. Es ist der erste erfolgreich behandelte Fall am Ohr in der Schweiz. O. lupi gehört daher zur Differentialdiagnose der chronischen Otitis mit Umfangsvermehrung (Martini et al., 2026).

Martini F, Schnyder M, Schmid D, Fischer N. Successful Treatment of Onchocerca lupi Auricular Infestation Causing Severe Otitis Externa in a Dog. Vet Dermatol. 2026 Sep 20. Epub ahead of print. https://doi.org/10.1111/vde.70125

Der Befall mit Lynxacarus radovskyi wurde bei 16 Katzen aus Privathaltung, rekrutiert in drei Kliniken, mit einer einzigen Anwendung der topischen Kombination aus Esafoxolaner, Eprinomectin und Praziquantel (NEXGARD COMBO®) behandelt. Die Mindestdosen betrugen 1,4 mg/kg Esafoxolaner, 0,5 mg/kg Eprinomectin und 5 mg/kg Praziquantel. Die Katzen zeigten je nach Fall Juckreiz, Alopezie und Schuppen. An Tag 30 wurde bei keiner Katze eine Milbe nachgewiesen, und die klinischen Symptome hatten sich deutlich gebessert. Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. Diese Pilotstudie war jedoch offen und ohne unbehandelte Kontrollgruppe: Jede Katze diente als ihre eigene Kontrolle (Beugnet et al., 2026).

Beugnet F, Tan YM, Tan DY, Tanrattana C, Taweethavonsawat P. Pilot field study to assess efficacy of NexGard Combo®, a topical combination of esafoxolaner + eprinomectin + praziquantel, against natural Lynxacarus radovskyi infestation in cats. Vet Parasitol. 2026;348:110926. https://doi.org/10.1016/j.vetpar.2026.110926

Eine Übersichtsarbeit fasst den Kenntnisstand zur topischen Kombination aus Selamectin und Sarolaner bei der Katze zusammen (STRONGHOLD PLUS® in der Europäischen Union). Die Mindestdosen dieser Kombination betragen 6,0 mg/kg Selamectin und 1,0 mg/kg Sarolaner bei monatlicher Anwendung. Die beiden Wirkstoffe wirken über unterschiedliche Mechanismen auf den Floh. Ihre Kombination tötet ihn daher schnell und wirksam ab, was die Eiablage, die Flohspeichelallergie und das Risiko einer Infektion mit Dipylidium caninum verringert. Gegen zehn Zeckenarten liegt die Wirksamkeit nach einer einzigen Anwendung mindestens vier Wochen lang über 90 %. Gegen Milben ist eine Einzeldosis sehr wirksam gegen Otodectes cynotis und eliminiert Notoedres cati innerhalb von 30 Tagen vollständig. Demodex-Befälle wurden mit einer oder mehreren Anwendungen erfolgreich behandelt (Geurden et al., 2026).

Geurden T, Vatta A, Yonetake W, Packianathan R, Holzmer S, Szafranski N, et al. A review of the parasiticidal efficacy of a selamectin plus sarolaner combination for use on cats. Vet Parasitol Reg Stud Reports. 2026;74:101567. https://doi.org/10.1016/j.vprsr.2026.101567

Mehrere Floharten, darunter die der Gattung Ctenocephalides, können den Menschen stechen. Ein Brief Mailänder Dermatologen erinnert daran, dass diese Stiche einzeln oder gruppiert stehende, juckende erythematöse Papeln bilden. Sie sitzen meist an Beinen und Knöcheln, da der Floh keine Flügel hat, aber bis zu 30 cm hoch springt. Der Datensatz gibt nur den Anfang des Briefes wieder. Die Erklärung für die Lokalisation an den oberen Gliedmaßen und am Rumpf, das Thema des Titels, wird daher hier nicht analysiert (Veraldi et al., 2026).

Veraldi S, Schianchi R, Aromolo IF, Nazzaro G. Why do cat flea infestations often occur on the upper limbs and trunk? Fleas do not fly. Dermatol Reports. 2026;18(3). https://doi.org/10.4081/dr.2025.10593

In Isfahan im Iran wurden von Juli 2023 bis Juli 2024 138 zufällig ausgewählte Hunde untersucht: 57 streunende Hunde, 38 Herdenhunde und 43 Hunde aus Privathaltung. Bei 54 von ihnen wurden Ektoparasiten gefunden. Zecken waren am häufigsten (26 Hunde), vor Milben (15), Flöhen (9) und Läusen (4). Die Prävalenz variierte signifikant mit Geschlecht und Alter. Der Befall erreichte im Frühjahr seinen Höhepunkt (Rafiyan et al., 2026).

Rafiyan N, Malekifard F, Esmaeilnejad B. Prevalence, Species Composition and Associated Factors of Ectoparasite Infestations in Dogs in Isfahan, Central Iran. Vet Med Sci. 2026;12(5):e71191. https://doi.org/10.1002/vms3.71191

6 Canine Leishmaniose

Die canine Leishmaniose hat sich in Italien in Richtung Mitte und Norden ausgebreitet, in Regionen, die früher als frei galten. Ein Team unter Beteiligung des WOAH-Referenzlabors für Leishmania in Palermo schätzte die Inzidenz pro Provinz für 2022 und 2023. Es setzte die neu diagnostizierten Fälle ins Verhältnis zu einer Hundepopulation, die anhand demografischer Daten des ISTAT mit einem Hund pro fünf Einwohner angenähert wurde. Die Inzidenz reichte von 0 bis fast 500 Fällen pro 10 000 Hunde. Nach diesem Kriterium wiesen 49 Provinzen ein minimales und 30 ein geringes Risiko auf. Die übrigen hatten ein mäßiges (21), hohes (4) oder sehr hohes (4) Risiko. Die niedrigen Kategorien überwogen im Norden und in der Mitte, die hohen im Süden und auf Sizilien, doch zwei ligurische Provinzen, Imperia und Savona, wiesen ein sehr hohes Risiko auf. Die absoluten Werte hängen vom gewählten Nenner ab. Diese Schätzung dient daher eher der Rangordnung der Gebiete als der Messung der genauen Krankheitslast (Bruno et al., 2026).

Bruno F, Castelli G, Oliveri E, Oliva G, De Santi M, La Rocca C, et al. Canine Leishmaniosis in Italy: Geospatial Trends and Incidence, a Shift in Epidemiological Approach. Zoonoses Public Health. 2026;73(6):584-593. https://doi.org/10.1111/zph.70078

Der Hund ist das wichtigste städtische Reservoir von Leishmania infantum, daher das Interesse an einem Impfstoff. Bei 120 weiblichen BALB/c-Mäusen wurde eine heterologe Impfung mit anderen Schemata verglichen. Sie kombinierte ein rekombinantes Adenovirus, das das A2-Antigen des Amastigoten trägt, gefolgt von dem rekombinanten Proteinimpfstoff Leish-Tec. Nach einer Belastungsinfektion mit L. infantum senkte diese Impfung die Parasitenlast im Knochenmark stark, und die Parasiten-DNA wurde dort bei den meisten Mäusen nicht mehr nachweisbar. Sie induzierte zudem eine robuste zelluläre Immunität mit mehr CD4-T-Zellen, die TNF-α und IFN-γ produzierten. Das Schema mit Leish-Tec allein ergab dagegen die höchsten Anti-A2-Antikörpertiter. Diese Ergebnisse stammen aus einem Mausmodell. Sie müssen daher beim Hund noch bestätigt werden (Amado-Gomes et al., 2026).

Amado-Gomes AC, Clímaco MC, Cirilo TM, Santos FV, Duval IB, Souza JLN, et al. Heterologous adenovirus A2/Leish-Tec® vaccination strategy in a murine model of visceral leishmaniasis: Potential canine vaccine with enhanced protection and potent T-cell immunity. Vaccine. 2026;92:129105. https://doi.org/10.1016/j.vaccine.2026.129105

7 Kutane Onkologie

7.1 Mastzelltumor

Die dreiphasige Computertomographie hilft, den kutanen oder subkutanen Mastzelltumor von einer gutartigen Läsion zu unterscheiden. Eine japanische retrospektive Fall-Kontroll-Studie verglich 23 Mastzelltumoren mit 7 gutartigen Läsionen. Die Mastzelltumoren maßen in 10 Fällen 3 cm oder mehr und in 13 Fällen weniger als 3 cm. Große Mastzelltumoren ließen sich an qualitativen Zeichen erkennen: heterogene Kontrastmittelanreicherung, versorgende Gefäße, Infiltration, Nekrose und Verdichtung des angrenzenden Fettgewebes. Kleine Mastzelltumoren zeigten diese Zeichen nicht, doch ihre Dichte war in der portalvenösen und in der Gleichgewichtsphase signifikant höher als die der gutartigen Läsionen. Beim Grenzwert von 68,7 Hounsfield-Einheiten in der portalvenösen Phase betrug die Sensitivität 92 % und die Spezifität 71 %. Beim Grenzwert von 74,7 Einheiten in der Gleichgewichtsphase betrug die Sensitivität 92 % und die Spezifität 57 %. Die Fallzahl bleibt jedoch gering (Morishita et al., 2026).

Morishita M, Kusaka T, Murata M, Tanaka T. Triple-Phase Computed Tomography for Differentiating Canine Cutaneous and Subcutaneous Mast Cell Tumors From Benign Lesions: A Size-Based Evaluation. Vet Radiol Ultrasound. 2026;67(5):e70256. https://doi.org/10.1111/vru.70256

Das Plasmahistamin wurde als prognostischer Marker bei 27 wegen eines Mastzelltumors operierten Hunden untersucht, mit 29 Eingriffen über 28 Monate. Ein präoperatives Plasmahistamin über 1,0 ng/ml war mit einem signifikant kürzeren progressionsfreien Intervall assoziiert. Bei Hunden mit kutanem Mastzelltumor zeigte die multivariate Analyse jedoch, dass dieser Histaminspiegel vom Tumorvolumen abhing und kein unabhängiger prognostischer Faktor blieb. Das postoperative Plasmahistamin, selten erhöht, war mit makroskopischem Resttumor assoziiert, könnte aber für die mikroskopische Erkrankung zu wenig sensitiv sein. Das Plasmahistamin ergänzt daher die üblichen Kriterien, ohne sie zu ersetzen. Diese explorative Studie muss durch größere prospektive Studien validiert werden (Niwa et al., 2026).

Niwa A, Kadosawa T, Sakai T. Exploratory analysis of perioperative plasma histamine concentrations in dogs with mast cell tumours. Front Vet Sci. 2026;13:1882434. https://doi.org/10.3389/fvets.2026.1882434

Die Raman-Spektroskopie, eine zerstörungsfreie optische Technik, wurde getestet, um kutane Mastzelltumoren niedrigen und hohen Grades nach dem zweistufigen Grading-System von Kiupel zu unterscheiden. Achtzehn formalinfixierte Tumoren, 10 niedrigen und 8 hohen Grades, lieferten 68 Spektren. Die Bande bei 860 cm⁻¹, die mit Tyrosin zusammenhängt, war in hochgradigen Tumoren signifikant intensiver. Umgekehrt waren mehrere auf die Phenylalaninbande bei 1 007 cm⁻¹ normierte Verhältnisse in niedriggradigen Tumoren signifikant höher. Die Studie bleibt explorativ und muss an größeren Kohorten mit Daten zum klinischen Verlauf validiert werden (Catarino et al., 2026).

Catarino J, Silva S, Novais S, Santos J, Payan-Carreira R, Faísca P, et al. Raman Spectroscopy for Differentiating High- and Low-Grade Canine Cutaneous Mast Cell Tumours. Vet Comp Oncol. 2026;24(3):621-630. https://doi.org/10.1111/vco.70083

7.2 Lymphangiosarkom

Ein 9-jähriger kastrierter Australian-Cattle-Dog-Rüde zeigte eine schwere, ausgedehnte und fortschreitende Schwellung von Hals und Gesicht. Die CT-Lymphographie von Kopf und Hals zeigte ein zervikales Lymphödem mit mittzervikaler Lymphabflussstörung, regionalem Lymphaustritt und lokaler Lymphadenopathie. Die Histopathologie ergab ein Lymphangiosarkom, das als Ursache der Obstruktion angesehen wurde. Es ist die erste Beschreibung dieser bildgebenden Technik als diagnostisches Hilfsmittel für das Lymphangiosarkom beim Hund (Bleuet et al., 2026).

Bleuet J, Auffret V, Martin E, Paquet M, Murphy M. Head and Neck CT Lymphangiography in a Dog With Cutaneous Lymphangiosarcoma. Vet Radiol Ultrasound. 2026;67(5):e70238. https://doi.org/10.1111/vru.70238

Literatur

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Beugnet F, Tan YM, Tan DY, Tanrattana C, Taweethavonsawat P. Pilot field study to assess efficacy of NexGard Combo®, a topical combination of esafoxolaner + eprinomectin + praziquantel, against natural Lynxacarus radovskyi infestation in cats. Vet Parasitol. 2026;348:110926. https://doi.org/10.1016/j.vetpar.2026.110926

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